Brunner als Glanzlicht im Schneetreiben


Die Fans aber waren begeistert ... / APA/EXPA

Petrus, so erzählt man sich im Skizirkus, wird wahrscheinlich irgendwo in Sölden ein Ausweichdomizil zur Verfügung haben; anders ist es nicht zu erklären, dass die alpine Weltelite Jahr für Jahr pünktlich zum Weltcupauftakt entweder tolle Schneeverhältnisse und/oder Sonne präsentiert bekommt.

2018 war der „Himmelsmann“ wahrscheinlich nur auf Kurzvisite im Ötztal. Ausreichend jedoch allemal dafür, dass zumindest das Damenrennen stattfinden konnte. Bei winterlichen Bedingungen zwar, bei schlechter Sicht wegen Schneefall und einer Piste, die den Läuferinnen alles abverlangte.

Aber die Läuferinnen freuten sich, dass das Rennen stattfinden konnte, die Fans waren begeistert, und eine Tirolerin jubelte ganz besonders: Stephanie Brunner. Die Zillertalerin hatte nach ihrer langen verletzungsbedingten Pause am Rettenbachferner ein tolles Comeback gefeiert und allen Widrigkeiten zum Trotz Platz fünf geholt.

Um den Sieg in diesem Rennen hatten sich eine Französin, eine Italienerin und US-Star Mikaela Shiffrin „gematcht“. Das Ergebnis? Tessa Worley hatte das bessere Ende für sich und damit für den ersten französischen Damensieg beim Alpinski-Weltcupauftakt gesorgt.

Wegen Windes und durchziehenden Nebels war wie im Vorjahr auf verkürzter Strecke gefahren worden, das bedeutete nur sieben Tore bis zum Steilhang, der allerdings schon bei Schönwetter den Mädels alles abverlangte. Zur Halbzeit noch Dritte, hatte sich die zweifache Weltmeisterin Worley noch ganz nach vorne gekämpft, siegte 0,35 Sekunden vor der Halbzeitführenden Federica Brignone aus Italien und 0,94 vor Gesamtweltcupsiegerin und Riesentorlauf-Olympiasiegerin Mikaela Shiffrin aus den USA.

Überraschend stark aus österreichischer Sicht war – neben Brunners Comeback – der Auftritt der jungen Stephanie Resch, die mit der hohen Nummer 49 den 19. Rang erreichte. Bei ihrem ersten Antreten in Sölden seit vier Jahren erreichte Anna Veith Rang 20. Bernadette Schild (21.), Ricarda Haaser (23.) und Eva-Maria Brem (24.) komplettierten ein mannschaftlich starkes Ergebnis der ÖSV-Damen.

ÖSV-Damen-Cheftrainer Jürgen Kriechbaum jedenfalls schwärmte über das Comeback der besten Österreicherin: „Es hat fast so ausgeschaut, als ob nichts gewesen wäre. Steffi hat super gearbeitet.“ Ebenso freute er sich über acht Läuferinnen im zweiten Lauf, auch wenn ein RTL-Podestplatz seit Eva-Maria Brems Sieg im März 2016 (Jasna) weiter auf sich warten lässt und Brunner die einzige ÖSV-Dame unter den Top 15 blieb. „Die Zeitrückstände machen mir keine Sorgen. Sölden ist da speziell. Kleine Geschwindigkeitsunterschiede multiplizieren sich hier bis ins Ziel.“

Mit den Herren hatte Petrus dann weniger Einsehen. Windböen bis zu 80 km/h und 50 cm Neuschnee sorgten schon in den frühen Morgenstunden für die Absage des Rennens. Marcel Hirscher nahm’s, wie alle seine Kollegen, mit Humor. Denn für Verschwörungstheorien – wie vor einem Jahr – war diesmal genauso wenig Platz wie für einen Sonnenstrahl am Rettenbachferner.