Die Bob- und Rodelbahn in Innsbruck-Igls sorgte an jenen Novembertagen für Schlagzeilen – aber nicht etwa, weil Österreichs Kunstbahnrodler*innen den geplanten Weltcup-Auftakt für Mehrfachsiege und vor tausenden Zuschauer*innen für ein Rodelfest gesorgt hätten, sondern wegen der peinlichen Absage der Rodel- und Skeleton-Rennen.
Der um 31 Millionen Euro modernisierte Eiskanal sollte ein Prestigeprojekt für den Wintersport werden – nun war er zum Problemfall geworden. Nach zwei missglückten Homologierungs-Versuchen und abgebrochenen Testfahrten wegen der gefährlichen Kurven, folgte zunächst die endgültige Absage der Rodel-Weltcupbewerbe. „Die Bahn ist für Rodler nicht befahrbar“, erklärte ÖRV-Präsident Markus Prock enttäuscht. „Der Umbau sollte den Weltcupstatus für Bob und Skeleton sichern, jetzt diese Blamage.“
Die Erwartungen waren hoch: Eine topmoderne Anlage für Weltcuprennen und als Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2026 in Cortina. Stadt Innsbruck, Land Tirol und der Bund investierten Millionen, die Olympiaworld sprach gar von einer der modernsten Bahnen weltweit.
Doch das untere Streckendrittel, neu gebaut im Zuge der Sanierung, barg laut Experten erhebliche Risiken. Ex-Weltmeister Jonas Müller, der Testfahrten absolvierte, warnte: „Von den Kurven 13 und 14 geht eine zu große Verletzungsgefahr aus. Die Bahn freizugeben wäre unverantwortlich.“
Damit aber nicht genug – weil nach der Absage des Rodel-Weltcups auch die Mehrheit der Athletinnen und Athleten aus dem Skeleton-Lager für eine Absage der geplanten Weltcuprennen gestimmt hatten, wurden auch diese Rennen abgesagt und nach Sigulda verlegt. Ein perfektes Desaster. Nach jahrelanger Planung, Millioneninvestitionen und ambitionierten Zielen stand der Standort plötzlich vor einem sportlichen und organisatorischen Scherbenhaufen.
Die Absage der Weltcupbewerbe war ein herber Rückschlag für den Wintersport in Tirol – und warf Fragen nach Verantwortung auf. „Angesichts der Errichtungskosten erwarte ich mir, dass ein einwandfreies Produkt abgeliefert wird“, so Innsbrucks Bürgermeister Johannes Anzengruber. Der 45-Jährige stellte „Konsequenzen für Planer und Verantwortliche“ in den Raum.






